Ein Jahr Auszeit um die Motivation wiederzufinden

Mein Name ist Verena, ich bin 30 Jahre alt und komme aus Bozen. Vom September 2021 bis April 2022 habe ich mich dazu entschieden, ein Landessozialdienst beim Verein Faunus APS zu machen – und zwar als pädagogische Begleitung/Unterstützung in den Walderlebnisgruppen in Brixen. Ich hatte bereits zwei Jahre Arbeitserfahrung in Landeskindergärten hinter mir und war mit meiner Motivation und Lust am Arbeiten ziemlich am Boden, deshalb diese Entscheidung. Eine bessere hätte ich nie treffen können.


Ich habe die Natur, in ihrer vollen Lebendigkeit als idealen Spielplatz für Kinder wahrnehmen dürfen. Die Natur verändert sich ständig und kann mit allen Sinnen wahrgenommen werden. Hier haben die Waldkinder (wie sie so schön bei uns genannt werden) genug Möglichkeiten, um viele unterschiedliche Bewegungen auszuprobieren. Die Motorik wird viel besser als in jeder Turnhalle geschult. Kinder treffen auf Widerstände, an denen sie wachsen können. Wenn sie z.B über einen
Baumstamm balancieren, auf den Bäumen klettern, so hoch sie sich trauen oder über einen Bach springen. Sie werden von Mal zu mal geschickter, bewegen sich immer sicherer, lernen sich selbst und ihre Fähigkeiten immer besser kennen. Wir wissen, dass Kinder aus solchen motorischen Erfolgserlebnissen viel Selbstbewusstsein beziehen.


Kinder brauchen wohldosierte Risiken, damit sie üben können, sich in einer potenziell gefährlichen Umwelt zurechtzufinden. Ich durfte beobachten wie etwa ein Mädchen auf einem glitschigen Stein ausgerutscht ist, sie hat davon eine Schramme mitgenommen, aber sie war von nun an vorsichtiger und umsichtiger beim Überqueren nasser Steine. Diese Selbstsicherheit lernt sie nirgendwo besser
als draußen. Außerdem können die Kinder im Wald ihre angeborene Entdeckungs- und Gestaltungslust frei entfalten. Das Kind darf hier Kind sein und wird von einem systematischen Leistungs- und Kompetenzendruck verschont. Es lebt intensiv mit den Jahreszeiten mit und tut unbemerkt und unbeschwert etwas Gutes für sein Immunsystem. Der Wald ist auch ein idealer Platz, um die Kreativität der Kinder anzuspornen. Aus wenigen Materialien erfinden sich die Kinder die vielfältigsten Spielideen oder eigene Werkzeuge. In der Natur lässt sich sehr vieles auf sehr
unterschiedliche Art entdecken und gestalten. In der Wohnung oder auf einem Spielplatz ist ja alles schon fertig. Ich konnte beobachten, wie Kinder dabei eine unglaubliche Vorstellungskraft entwickeln.


Während dieses Sozialdienstes habe ich mich wieder daran erinnert, warum ich Pädagogin sein will. Kinder sind Potenzialbomben, offen und erleben die Welt ohne Vorbehalte und Vorurteile. Es ist eine wunderschöne und wichtige Arbeit Kinder ein Stück ihres Weges zu begleiten und mit ihnen in Beziehung zu gehen. Der Wald ist dabei einer der besten Orte, um dies zu unternehmen. Ich kann die Erfahrung dieses Sozialdienstes aus ganzem Herzen weiterempfehlen.

Verena D.

Der Landessozialdienst wird finanziert von dem Amt für Außenbeziehungen und Ehrenamt der Autonomen Provinz Bozen.

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